Mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurde der „Kulturkampf” des preußischen Staates eine Reichsangelegenheit, die auf die übrigen Länder übergriff, und Politiker des katholischen Adels in Bayern veranlasste, hiergegen einen Verband zu gründen.
Am 21. Mai 1876 gründeten 71 Herren im Münchner Haus des Grafen Preysing die „Genossenschaft katholischer Edelleute in Bayern”, nachdem bereits 1875 in Köfering beschlossen wurde,
„den Adel zu gemeinsamen Wirken zu einigen, um folgende Zwecke zur Ausführung zu bringen:
- Förderung des kirchlichen und standesgemäßen Lebens der Mitglieder, der gleichartigen, unabhängigen Gesinnung und des christlichen Familienlebens
- Verteidigung des Glaubens
- Ausübung der Werke der Barmherzigkeit
- Beteiligung am katholischen Vereinsleben, sowie an allen auf Besserung der sozialen und öffentlichen Zustände in wahrhaft konservativem Geist gerichteten Bestrebungen
- Insbesondere Förderung der den Interessen des Grundbesitzes, seiner Erhaltung und Kultur dienlichen Institutionen und Vereine.”
Gründungspräsident wurde Konrad Graf Preysing, 2. Präsident Ludwig Graf Lerchenfeld.
Vorbild war der bereits 1869 gegründete und vom westfälischen Adel dominierte Verein katholischer Edelleute Deutschlands, mit dem zunächst auch eine enge Verbindung bestand.
In einem gewissen Gegensatz zur 1874 gegründeten Deutschen Adelsgenossenschaft, die überkonfessionell und zentralistisch orientiert war, blieb die GKE auch der föderalistischen Staatsidee sowie dem bayerischen Königshaus verbunden und wies eine größere soziale Homogenität ihrer allerdings weniger zahlreichen Mitglieder aus.
1903 zählte die GKE über 100 Mitglieder. Nachdem ab 1919 auch Damen aufgenommen wurden, stieg die Mitgliederzahl: 1925 waren es 372 Mitglieder und 1930 knapp 400 Mitglieder. Nach dem 2. Weltkrieg waren 289 Mitglieder registriert. Nach dem Höchststand von 509 Mitgliedern im Jahre 1973 pendelte sich die Zahl auf ca. 450 ein.
Der 1911 gegründete Veband des gebundenen Grundbesitzes (Fideikomiß), dessen (katholische) Mitglieder vielfach auch Mitglieder der GKE waren, kümmerte sich um die wirtschaftlichen Fragen des adeligen Grundbesitzes sowie die politischen Konsequenzen daraus und übernahm damit die Punkte 4 und 5 des Köferinger Programms. Entsprechend wurden diese Punkte aus der Satzung der GKE herausgenommen.
Die GKE konzentrierte sich ab da stärker auf die religiösen und caritativen Aufgaben.
Für die Verteidigung des Glaubens haben sich innerhalb der GKE insbesondere die vielen geistlichen Standesgenossen eingesetzt, u.a. der Bischof von Passau Sigismund Felix Freiherr v. Ow, der Bischof von Eichstätt Franz Leopold Freiherr v. Leonrod, der Bischof von Eichstätt und Berlin Kardinal Konrad Graf v. Preysing und der Münchner Regionalbischof Heinrich Graf v. Soden-Fraunhofen. Alois Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, I. Präsident über die lange Zeit von 1914 bis 1948, war auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Als besondere Symbole dieser Aufgabe über die Jahre hinweg können die Stiftung eines - mittlerweile verschwundenen - Leuchters für die Kirche "Dormitio Mariae" in Jerusalem (ca. 1906), die Stiftung eines Altars für den Münchner Dom (1959) sowie die Stiftung eines Altars für die Krypta des Doms in Bamberg (1973) gelten.
In Wahrnehmung der caritativen Verpflichtung werden seit 1879 von der GKE in Notlage befindliche Standesgenossen unterstützt. Nach 1911 wurden diese Aufgaben einer hierfür gegründeten Wirtschaftsstelle übertragen, die verarmten Adligen u.a. mit Naturalien - im wesentlichen Lebensmittel und Kleidung - half. Später wurde statt Naturalien vermehrt Geld verteilt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese wichtige Aufgabe zusammen mit der Vereinigung des Adels in Bayern e.V. fortgeführt und bildet bis zum heutigen Tag einen zentralen Aufgabenschwerpunkt der GKE. Die von 1887 bis in den 1. Weltkrieg gewährte Unterstützung hilfsbedürftiger, würdiger, unverheirateter Damen wurde nach dem 1. Weltkrieg durch eine Berufsberatungsstelle für adelige Töchter ergänzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Studienstipendien gewährt.
Die GKE fand sich ab 1919 mit dem Ende der Monarchie in einer neuen Situation wieder - nicht nur wegen der Abschaffung der letzten Adelsprivilegien, sondern vor allem wegen der für den Adel nicht selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem republikanischen Staat sowie der stark eingeschränkten Verwendung im Staats- und Militärdienst. Sie hat 1922 die Wiedererrichtung der Monarchie als Aufgabe in ihre damaligen Statuten aufgenommen. Sie hat sich dem ansteigenden Antisemitismaus und der völkischen Ideologie tendenziell entzogen. 1933 hat sich die GKE dann formell "gleichgeschalten", sodass sie auch in der Zeit der NS-Herrschaft nie verboten war.
1947 wurde die GKE auf Anweisung der amerikanischen Militärregierung formal neugegründet. In der Nachkriegszeit widmete sich die GKE besonders der Jugend. Mit Vorträgen und Veranstaltungen wurde aristokratisches Denken und Handeln, das Bewusstsein von der persönlichen Verantwortung allen gegenüber, die sich nicht selbst helfen können, und auch die Notwendigkeit einer kritischen Beobachtung der politischen Strömungen aus christlicher Sicht vermittelt.
Obwohl sich die äußeren Umstände seit 1875 / 1876 grundlegend geändert haben, hat sich die GKE bis heute dafür eingesetzt die Grundsätze, die dem Adel seit jeher wesentlich waren und die auch die Grundlagen des christlichen Abendlandes sind, weiterzutragen und zu vermitteln. Gerade in einer Zeit des zusammenwachsenden Europas mit allen daraus resultierenden Chancen und Gefahren in politischer, religiöser und kultureller Hinsicht möchte die GKE damit den Mitgliedern eine Hilfestellung in den Schwierigkeiten der Zeiten geben.
Zusammengesellt wurde der Beitrag von Georg Freiherr v. Aretin und Louis Freiherr v. Harnier
Als Quellen dienten:
1) K.O. Aretin: Der bayerische Adel in: Bayern in der NS-Zeit, 1981,
2) P.C. Aretin: Streiflichter aus der Geschichte der Genossenschaft kath. Edelleute in Bayern e.V., 1997,
3) K.O. Aretin: Franckenstein - eine politische Karriere zwischen Bismarck und Ludwig II, 2003,
4) St. Malinowski: Vom Krieg zum Führer, 2003.